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Programm ab Juli 2017 online

Die Veranstaltungen der Evangelischen Arbeitsstelle im zweiten Halbjahr 2017 finden Sie auf einen Blick als Download des Halbjahresprogramms 2/2017

"Frauen knöpfen sich das "Mannsbild" vor | Viele ZuhörerInnen waren am 18. September 2017 im Pfalztheater dabei

Dagmar Mensink, Astrid von Schlachta, Claudia Kettering, Lea Siegfried und Silke Schwarzstein (von links). | Foto: Evangelische Arbeitsstelle
Die Theater-Lounge war gut besucht | Foto: Evangelische Arbeitsstelle

Lea Siegfried, Autorin und Regisseurin des Rockmusicals „Luther – Mensch zwischen Gott und Teufel“, ist fasziniert von dem Reformator: „Ich weiß immer noch nicht, was ich von ihm halten soll. Mut und Fortschrittlichkeit machen ihn zu einem Vorbild. Wie die Tatsache, dass nach seinem Tod seine Frau Katharina von Bora Alleinerbin und Vormund seiner Kinder sein sollte.“ Siegfried war eine von vier Frauen, die beim „Talk unter Freunden“ im Pfalztheater Kaiserslautern über Luther, dessen Frauenbild und die Reformation diskutiert haben. Thema: „Die Weiber schweigen, wenn die Männer reden – Frauen knöpfen sich das Mannsbild vor.“

Pfarrerin Claudia Kettering, theologische Referentin der Evangelischen Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft, moderierte die Gesprächsrunde. Ihre Gäste waren außerdem Dagmar Mensink, Sprecherin für politische und ethische Grundfragen im Zentralkomitee der deutschen Katholiken, Astrid von Schlachta, Leiterin der Mennonitischen Forschungsstelle Weierhof, sowie Pfarrerin Silke Schwarzstein, die sich mit vielen weitgehend unbekannten Reformatorinnen auseinandergesetzt hat.

Auch heute wie vor zwanzig Jahren, als sie ihre Pfarrstelle angetreten habe, gebe es mitunter noch bestimmte Mechanismen: „Da heißt es ‚Herr Pfarrer Soundso‘ und ‚Frau Schwarzstein‘“, sagte Schwarzstein. Theologin Dagmar Mensink zitierte zur Frage nach der Gleichberechtigung im katholischen Glauben und der Forderung, Frauen zur Priesterweihe zuzulassen, die ehemalige rheinland-pfälzische Kultusministerin Hanna-Renate Laurien: „Ist das Diakonat der Frau von Gott, wird es kommen; ist es nicht von Gott, wird es nicht kommen. Aber da wir es als von Gott kommend ansehen, werden wir das Nachdenken darüber und das Beten dafür nicht beenden.“

Die Rolle der Frau im Christentum war zunächst gewaltig: Frauen am Kreuz Jesu und bei der Bezeugung seiner Auferstehung. Dann kamen jedoch Strukturen in die neue Religion und mit den Strukturen besetzten Männer die Ämter der Priester. Das Zölibat, eingeführt im 12. Jahrhundert, wurde fast vierhundert Jahre später aufgehoben vom Mönch Luther, der eine Nonne heiratete. Über „Herrn Käthe“, wie er seine Frau manchmal nannte, wurde spekuliert, dass manche Reden Luthers dem Hirn der besseren Hälfte entsprangen. Die Teilnehmerinnen der Runde waren sich darüber einig, dass Bildungsmöglichkeit für Mädchen und die Anfänge der Gleichberechtigung in der Ehe Martin Luther und seinen reformatorischen Gedanken zu verdanken seien. Gleichwohl sei beispielsweise Luthers Einstellung zur Judenfrage oder zur Täuferbewegung alles andere als vorbildlich gewesen.

Die Diskussion warf viele Fragen auf. Wie können wir heutzutage unvoreingenommen die Familie des 16. Jahrhunderts beurteilen? Als diese eine Arbeits- und Lebensform war, Frauen natürlich mitarbeiten mussten und sich Bauern nicht leisten konnten, ihre Töchter kostenpflichtig zur Schule zu schicken, wo man jede helfende Hand zuhause brauchte. Diskutiert wurde auch, wie weit die Folgen des christlichen Glaubenssplittings reichen. Noch heute trage die ältere Generation Wunden der Entzweiung, wenn der gewählte Partner die „falsche“ Konfession hatte.

Alle Frauen waren sich einig, dass das Reformationsjubiläum die Lust geweckt hat, Fragen zu stellen. Politische Sprengkraft wie zur damaligen Umbruchzeit gebe es auch heute. „Wenn sich Menschen begegnen und nicht fähig sind, einander zuzuhören. Aber es mangelt häufig an der Bereitschaft zur Diskussion: Aufeinander hören, Respekt haben“, erklärten die Diskutanten einmütig.

Nadja Donauer, 20. September 2017

 

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Gemeinsam für Solidarität, Gerechtigkeit und Toleranz – Zentrale Maikundgebung 2017 in Kaiserslautern

„Soziale Gerechtigkeit ist die Klammer, die die Gesellschaft zusammen hält“, betonte Ministerpräsidentin Malu Dreyer auf der zentralen DGB-Kundgebung Rheinland-Pfalz/Saarland, und sicherte den Gewerkschaften ihre Unterstützung zu. Trotz regnerischem Schmuddelwetter fanden sich mehrere hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur  Veranstaltung am 1. Mai im Volkspark Kaiserslautern ein. Genau wie Dreyer warnte auch DGB Rheinland-Pfalz/Saarland-Vorsitzender Dietmar Muscheid vor rechten Tendenzen und Populismus in Europa. Er hob besonders die Themen Mindestlohn, paritätische Finanzierung der Krankenkassenbeiträge, gerechte Vermögensverteilung und auskömmliche gesetzliche Renten zur sozialen Sicherung hervor.

 Eingeleitet wurde die Kundgebung unter dem Motto „Wir sind viele. Wir sind eins“ mit einem ökumenischen Gottesdienst, gehalten durch Thomas Eschbach (Kath. Betriebsseelsorge) und Pfarrer Gerd Kiefer (Evangelische Arbeitsstelle für Bildung und Gesellschaft).

Silke Scheidel, 15. Mai 2017

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Ministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler begrüßte das Publikum am 25. April in Mainz | Foto: Silke Scheidel
Ministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler begrüßte das Publikum am 25. April in Mainz | Foto: Silke Scheidel
Dr. Uwe Liebelt präsentierte das "Project BASF 4.0" | Foto: Silke Scheidel
Dr. Uwe Liebelt präsentierte das "Project BASF 4.0" | Foto: Silke Scheidel

Die Digitalisierung der Arbeitswelt kommt in großen technologischen „Fort-Schritten“. Die aktive Gestaltung der zukünftigen Arbeits- und Lebenswelten sieht Gastgeberin und Ministerin für Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie Sabine Bätzing-Lichtenthäler als gemeinsame Aufgabe von Politik, Sozialpartnern und Wissenschaft. Mit der  Auftaktveranstaltung „Masterplan zur Zukunft der Arbeit in Rheinland-Pfalz“ am 25. April 2017 in Mainz startete eine Informations- und Dialogreihe mit dem Ziel, die Gestaltung menschlicher und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen rund um „Arbeit 4.0“ unvoreingenommenen zu diskutieren. Treffend ist das Zitat von Johannes Rau: „Die Zukunft kommt ja nicht einfach auf uns zu. Wir müssen sie nach unseren eigenen Vorstellungen gestalten. Wir wollen schließlich, dass wir auch in Zukunft friedlich und in Freiheit miteinander leben können - in einer Gesellschaft, in der Leistung etwas gilt und die Gerechtigkeit und Solidarität lebt.“

Von Chancen und Herausforderungen in der Arbeitswelt 4.0, speziell für die chemische Industrie,  berichtete Dr. Uwe Liebelt von der BASF. Seit 2015 beschreitet das Unternehmen mit dem Projekt BASF 4.0 neue digitalisierte Wege und integriert die Mitarbeitenden anhand einer Wissenspyramide in den laufenden Digitalisierungsprozess.

Möglichkeiten der Digitalisierung im Dienstleistungssektor beschrieb Walter Ganz vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation und hob besonders die unterschiedliche kulturelle Akzeptanz für Pflegeroboter in Japan und Deutschland hervor. Technisch sei vieles jetzt schon machbar. Ob sich die Nutzung flächenübergreifend durchsetzen kann, entscheiden letztendlich Verbraucherinnen und Verbraucher.

„Die Digitalisierung wird den Interessenkonflikt von Arbeit und Kapital verstärken.“ Mit dieser Aussage vom 71. Deutschen Juristentags (Prof. Dr. Ulrich Preis) eröffnete Rechtsanwalt Dr. Frank Lorenz seinen Vortrag. Vor allem beim Datenschutz, der Mitbestimmung und Weiterbildung sowie der Definition von Arbeitszeit und Arbeitsverhältnis müsse die Politik bestehende Gesetze anpassen und neue Gegebenheiten berücksichtigen.

Bei der abschließenden Podiumsdiskussion waren sich die Vertreter aus Politik, Wissenschaft sowie von Unternehmer- und Gewerkschaftsseite vor allem in einem Punkt einig: Keiner weiß sicher, wie sich die Arbeits- und Unternehmenslandschaft in den nächsten fünf Jahren entwickeln wird. Tendenziell werden sachbearbeitende Tätigkeiten eher vom Wandel durch Digitalisierung und Vernetzung betroffen sein als beispielsweise Reinigungstätigkeiten. Perspektivisch werden sich Qualifikationen als Zugangsvoraussetzung für bestimmte Berufsbilder und somit der Zugang zum Arbeitsmarkt ändern. Deshalb müssen die Weichen für eine gerechte, solidarische und wirtschaftliche Zukunft in der Gegenwart gestellt werden.

Silke Scheidel, 28. April 2017

Hier finden Sie den Link zur entsprechenden Seite beim Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie.

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Auch bei der Rente: Frauen verdienen mehr! | Aktionstag des Arbeitskreises Frauen und Erwerbsarbeit Südwestpfalz in Pirmasens

Lebhafte Diskussion zum Thema Altersarmut-Gleichhstellung-Rente beim Aktionstag in Pirmasens am 27. April 2017 | Foto: Silke Scheidel
Lebhafte Diskussion zum Thema Altersarmut-Gleichstellung-Rente beim Aktionstag in Pirmasens am 27. April 2017 | Foto: Silke Scheidel

Am 27. April 2017 nahmen der Arbeitskreis Frauen und Erwerbsarbeit Südwestpfalz in der Katholischen Familienbildungsstätte Pirmasens mit über 50 interessierten Frauen und Männern die Altersarmut von Frauen unter die Lupe. Bereits zum zweiten Mal zogen die Initiatorinnen, Frauen konfessioneller und nicht-konfessioneller Institutionen in Zusammenarbeit mit kommunalen Gleichstellungsbeauftragten,  an einem Strang und zeigten, dass Frauen mehr verdienen. 

Das eigens zu diesem Zweck gegründete Kabarett Petzzicato griff pointiert die unterschiedlichen Lebenseinstellungen zur Rentenversorgung von Mutter und Tochter auf und stimmte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit seinem realitätsnahen Beitrag in den Abend ein.

In ihrem Impulsvortrag verdeutlichte Heike Thompson (1. Vorsitzende der BPW Kaiserslautern e.V. und Coachin), dass Altersarmut in Deutschland typisch weiblich ist. Aus Scham würden viele Ruheständlerinnen keine gesetzliche Unterstützung beim Amt beantragen, obwohl ihre Rente unterhalb der Grundsicherung liegt. Mit anschaulichen Grafiken zeigte sie die Auswirkungen der traditionellen Erwerbsbiografien, der Frauenberufswahl in Pflege, Erziehung und Einzelhandel und regte mit der gesellschaftspolitschen Frage: „Was würde passieren, wenn Frauen nicht mehr in den frauentypischen Berufen arbeiten?“ zum Weiterdenken an.

 „Seid nie nur von eurem Ehemann abhängig! Arbeitet immer selbst und nur angemeldet!“ ist der Appell an alle Frauen von Monika Groh, Rentnerin und erste Interviewpartnerin von Christina Walter am 27.04.2017 beim „Abendbrot in Rot“ in Pirmasens. Trotz der Pflege ihrer Eltern und Schwiegereltern hielt sie mit Unterstützung ihres Mannes daran fest, ihr Leben selbstständig finanzieren zu können. Diese Rentenautonomie gibt sie ihren Kindern und Enkeln eindringlich weiter.

Die zweite „Arbeitsplatzzeugin“ Silvia Schindler wurde durch ihre Mutter für das Thema Rente sensibilisiert: „Meine Mutter hat immer in nichtsozialversicherungspflichten Tätigkeiten gearbeitet. Ihren Rentenanspruch hat sie sich Anfang der 60-er Jahre zur Heirat auszahlen lassen.“ Als es dann durch eine Nachzahlung die Möglichkeit zum Wiederaufleben des Rentenanspruchs gab, wurde das Geld mit großem Aufwand beschafft. Dieses Erlebnis prägte die Sekretärin und es ist ihr auch bei der Erziehung ihrer Tochter präsent.

In Ihrer Ausbildung zur Bankkauffrau wird Barbara Bißbort zwangsläufig mit dem Thema „Altersvorsorge“ konfrontiert. „Mir kommen manchmal die Tränen, wenn meine Kundinnen ihre Lebensgeschichten erzählen. Sie haben sich immer auf ihre Männer verlassen und ihre Kinder erzogen. Jetzt sind sie alleine, waren zu lange aus dem Beruf um wieder einzusteigen und haben jetzt teilweise weniger als 100 Euro im Monat.“ Die stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Landjugend ist sich in ihrer Lebensplanung bewusst, dass sich die Zeiten wandeln und ihre Erwerbsbiografie nicht unbedingt ein gerader Weg sein wird. Sie will die Politik aufrütteln, konkrete Wege in der Rentenpolitik zu gehen, da ihr die zukünftige Altersvorsorge „zu sehr in den Sternen steht“.

Beim anschließenden Abendbrot in Rot diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die vermittelten Informationen und ihre persönlichen Biografien. Besonders erfreulich für die Veranstalterinnen, zu denen auch die Evangelische Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft gehört, ist die gute Resonanz der jüngeren Teilnehmerinnen, die sich bisher noch nicht mit ihrer Altersvorsorge auseinander gesetzt haben.

Silke Scheidel, 30. April 2017

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Erfolgreiche Fachtagung "Digitale Medien im Alltag von Kindern" am 7. März 2017 in Mainz

Freuten sich über regen Zuspruch: Martin Nestler, Medienpädagoge (Berlin), Hans-Uwe Daumann, medien+bildung.com (Ludwigshafen) und Ute Dettweiler, Evangelische Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft (Kaiserslautern)
Prof. Dr. Stefan Aufenanger (Uni Mainz) bei seinem Vortrag "Digitale Medien im Alltag von Kindern – eine Herausforderung für Erziehung und Bildung" | Foto: Zentrum Bildung der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau

Die Teilnahme war heißbegehrt: Über 90  Fachleute aus Familienbildung, Kitas, Beratungsstelle, Schulen erschienen zur Tagung „Digitale Medien im Leben von Kindern – Chancen und Herausforderungen für die Arbeit mit Familien“, über 50 standen als Nachrücker auf der Warteliste. 

 „Sieben von 10 Kleinkindern (0-6 Jahre) nutzen täglich eine halbe Stunde lang  das Smartphone ihrer Eltern“, schrieb der Wiesbadener Kurier am 4. März 2017.

Alle Lebensbereiche werden inzwischen vom Internet und den damit verbundenen Nutzungsgeräten geprägt. Die digitalen Medien sind ab dem frühen Kindesalter auch selbstverständlicher Teil der Lebenswelt von Kindern. Vor allem Smartphone und Tablet prägen den Familienalltag. Noch bevor Bildungsangebote in Kita und Schule greifen, ist die Familie der zentrale Ort der Medienaneignung für Kinder.

Vorträge und Expertenworkshops vermittelten medienpädagogisches Basiswissen und drängende Fragen wurden diskutiert.

In den Fachbeiträgen wurde erläutert, dass wir in einer Welt leben, in der die Medien die Kommunikation bestimmen, verändern, bereichern sowie beeinträchtigen. Welche Folgen hat das für das Aufwachsen von Kindern? Wie kann man Eltern unterstützen, damit im familiären Alltag Erziehung, Beziehung und Kommunikation gelingen?

Es wurden Strategien und Anknüpfungspunkte zur Weiterarbeit in Kitas, Schulen und Familieneinrichtungen entwickelt. Aufgrund des großen Interesses bieten wir die Fachvorträge als pdf hier in unserem Downloadbereich an.

 

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Über 50 Presbyterinnen und Presbyter lauschten den Worten von Pfarrer und Buchautor Klaus Douglass

Gespannt auf mehr: Einige der Zuhörerinnen und Zuhörer beim Vortrag

Die Kursvorstellung des Glaubenskurses für Presbyterien „Sehnsucht nach mehr“ am 5. Oktober war ein voller Erfolg. Andrea Müller vom Projekt „Erwachsen Glauben Pfalz“ begrüßte im Gemeindehaus in Dannstadt mehr als 50 Teilnehmende zum Vortrag „Sehnsucht nach mehr“ . Dieser greift biblisch-theologische Themen wie „Taufe“, „Kirche“ oder „Bibel“ auf, zielt auf praktische Konsequenzen für die Kirchenvorstandsarbeit, fördert die Teambildung und die Entwicklung einer gemeinsamen geistlichen Perspektive.

Sehnsucht nach mehr hieß für die Anwesenden auch Sehnsucht nach mehr inhaltlicher Arbeit („nicht nur verwalten“ war eine Kernaussage), Sehnsucht nach einer soliden geistlichen Grundlage, Sehnsucht nach christlicher Gemeinschaft – auch im Presbyterium, Sehnsucht nach einer Vision, wofür man das alles macht.

Informativ und kurzweilig zeigte Klaus Douglass auf, wie man sich als Presbyterium anhand der detailliert ausgearbeiteten Materialien des EKHN-Kurses gemeinsam auf den Weg begeben kann. Angesteckt von der Sehnsucht nach mehr und eingedeckt mit Materialien machten sich viele wieder fröhlich auf den Heimweg.

„Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Leute zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Menschen die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“
Antoine de Saint-Exupery

Bei Fragen zu unterschiedlichen Glaubenskursen wenden Sie sich gern an Andrea Müller per E-Mail an andrea.mueller@evkirchepfalz.de.

Allgemeines zu Glaubenskursen finden Sie unter www.kurse-zum-glauben.de.

 

 

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Mit manpower über die Alpen …

Steigende Kondition und Gemeinschaftsgefühl bei überwältigende Natur und herrlichem Ausblick.
Jeder Teilnehmer verlieh mit viel Power dem Mountainbike alle Ehre.

Dem Mountainbike seinen verdienten Namen gaben vom 20. bis 27. August 12 Männer beim Alpencross unter dem Titel „Power und Achtsamkeit“.  Spirituell bildeten ein „Erd-Himmel-Gebet“ auf der Passhöhe und eine Andacht die Höhepunkte der kräftezehrenden Tour.
 „Bergauf spürten wir die Power und die steigende Kondition, bergab den Rausch der Geschwindigkeit und dazwischen machten wir bewusste Pausen, um achtsam innezuhalten.“, beschreibt Gerd Humbert, Referent der Männerarbeit der Evangelischen Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft, die kurzweilig anmutende Woche: „Dabei ging es nie darum, wer als erster oben ist, sondern wir achteten auf uns selbst, die Gruppe und die überwältigende Natur. Die größte Belohnung für die Biker war das Gefühl die Alpenüberquerung gemeinsam mit den anderen geschafft zu haben.“

Für 2017 ist ein neuer Alpencross mit dem Ziel „Gardasee“.
geplant. Weitere Infos unter ww.maennernetzpfalz.de oder bei Gerd Humbert per E-Mail an gerd.humbert@evkirchepfalz.de.

 

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Neues vom anderen Anfang der Erde …

Vom 10. Juli bis 1. August 2016 machte sich eine pfälzische Delegation auf den Weg nach Papua in Indonesien. In regelmäßigen Abständen besuchen Gruppen aus der Evangelischen Kirche der Pfalz Gemeinden in der Gereja Kristen Injilii di Tanah Papua, einer der weltweit sechs pfälzischen Partnerkirchen. Jedes Mal ist die Begrüßung herzlich mit faszinierenden Tänzen, Theaterspielen zur Missionsgeschichte, traditionellen Gesängen, mit vielem Händeschütteln und strahlenden Gesichtern.

So war auch dieser Besuch wie ein Nachhausekommen für die drei Frauen und fünf Männer aus der Evangelischen Kirche der Pfalz im tropischen Regenwald auf Neuguinea am anderen Anfang der Erde! Die große Freude der PapuanerInnen über die Gäste spiegelte sich wider in der großen Gastfreundschaft von Familien (zuweilen auch in Gästehäusern), in festlichen Zusammenkünften und bei liebevoll zubereitetem, traditionellem Essen. Reisen zu entfernteren Gemeinden und Projekten auf den Inseln führten tief  in die tropischen Mangrovenwälder. Mit langem Atem und großer Kreativität, im Urwald oft per Boot unterwegs – fernab von Kommunikationshilfen wieTelefon oder WhatsApp hatten die Papua den Aufenthalt der deutschen Gruppe organisiert. „Eine Partnerschaft um Gottes und der Menschen willen“, fasst Ruprecht Beuter, Referent der Evangelischen Arbeitsstelle Bildungund Gesellschaft diese Reise zudammen:  „Wenn die Sprache in der Begegnung an ihre Grenzen stieß, führte menschliche Wärme und der gemeinsame Glaube die einander eigentlich fremden Menschen aus total verschiedenen Kulturen immer wieder und schnell zueinander.“

Symbolstark für das Wirken des Arbeitskreises Papua: Ein Vor- und Zurückschauen und stetiger Dialog | Fotos: Christian Rust und Christian Beuter
Eindrucksvoll ist die Willkommenszeremonie der Ureinwohner | Fotos: Christian Rust und Christian Beuter
Das Miteinander zählt | Fotos: Christian Rust und Christian Beuter

Die christlichen Gemeinden Papuas  im  muslimischen Umfeld wachsen: Neue Kirchen werden gebaut, riesig und mit neuester technischer Ausstattung. Kindergottesdienste mit oft weit über hundert Kindern sind die Regel; sie stehen in partnerschaftlichem Kontakt mit den Kindergottesdiensten in Börrstadt und Essingen. Frauenarbeit mit finanzieller Unterstützung aus der Nordpfalz ist hauptsächlich Bildungsarbeit: Sozialseminare, Glaubensschulung, Weitergabe der Traditionen und vieles mehr gehören zum Programm. Andererseits wird der Ausbildung von GemeindepädagogInnen kaum noch Aufmerksamkeit geschenkt. Die Kirche kooperiert in der Gesellschaft. Mit Vertretern der offiziellen Politik, dem Landrat (Bupati), kommunalen Beauftragten u.a. Und mit Gewährsleuten für die Erhaltung und Einhaltung der Tradition und der Interessen der Urbevölkerung („Adat“).

Die Kirche steht mit der gesamten Gesellschaft Papuas vor großen Herausforderungen: eine unzureichende Versorgung der Malaria- und HIV/AIDS-Kranken, eine oft desolate Bildungssituation in vielen Schulen, ein  wachsendes Müllproblem, das u.a. durch die zunehmende Verwendung von Einwegflaschen in der Trinkwasserversorgung rapide zunimmt.

Einige Orte wachsen durch den Zuzug von Menschen aus westlichen  Regionen Indonesiens, die sich durch andere Traditionen, Bildungsvoraussetzungen und Religionen von der Urbevölkerung Papuas unterscheiden. Der Staat hat ein ehrgeiziges Entwicklungsprogramm formuliert und schickt mehr Personal zu dessen Umsetzung nach Papua. Auffällig: die starke Präsenz von Polizei auf den Straßen und öffentlichen Plätzen, Militär ist selbst bei kirchlichen Veranstaltungen anwesend. Wegen der  vorgeblich „angespannten Sicherheitslage in Papua“  wurde die Reisegruppe erstmals durch freundliche Sicherheitsbeamte begleitet, was bei den PfälzerInnen jedoch auch Irritationen hervorrief.

Viele gegensätzliche Eindrücke über Entwicklung und Rückschritt, Stillstand und Engagement, Demokratie nach der Diktatur und Kirche in der Freiheit des Evangeliums gaben dem Besuch eine besondere Nuance. Die Teilnehmenden waren tief beeindruckt von geschwisterlichen Begegnungen, lebendigen Traditionen und dem Erleben einer wunderbaren Natur. Als wichtige Impulse dieser ökumenischen Begegnung nahmen die Gäste aus Essingen, Börrstadt, Schönenberg und Rockenhausen die Aufgabe mit, den eigenen Lebensstil zu bedenken und die gesellschaftliche Mitverantwortung als Christen und Kirchengemeinden neu zu buchstabieren. Im  Arbeitskreis Papua unserer Landeskirche, der  sich alle zwei Monate in der Evangelischen Arbeitsstelle am Standort Rockenhausen trifft, sollen diese Fragen vertieft werden.  Dieser Arbeitskreis ist offen für Menschen aller Konfessionen und Traditionen. Ruprecht Beuter steht allen Interessierten telefonisch unter 06361 5559 zur Verfügung.

 

 

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Familienferienaktionen voller Erfolg | Tipps vom Kaninchenzuchtverein

Kaninchen bekommen Streicheleinheiten
Dieses hier war neugieriger
Das Widderkaninchen muss aufpassen, dass es nicht auf seine Langohren tritt

Am 18. Juli war es soweit: Der Kaninchenzuchtverein „P29“ in Kaiserslautern öffnete Tür und Tor für Kinder und Erwachsene, um sich über Pflege, Fütterung und Haltung der Tiere zu informieren. 

Ute Dettweiler von der Evangelischen Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft fasste als Organisatorin und Referentin der Veranstaltung einige Impressionen zusammen. Wer hätte gedacht, dass man über 200 verschiedene Kaninchenfellfarben unterscheidet?

Herr Sinn ist Vorsitzender des Kaninchenzuchtvereins und erklärte den kleinen und großen Interessierten geduldig, was man so alles über Kaninchen wissen sollte. Er empfahl, Kindern erst ab sechs Jahren ein eigenes Haustier zu geben. Die nötige Pflege und Fütterung sind ein große Herausforderung, man muss Vieles beachten, damit es den Tieren gut geht: Er warnte beispielsweise vor der drohenden Eiweißvergiftung, wenn nach der Winterzeit, in der es nur Trockenfutter gibt, plötzlich zu viel Klee gefüttert wird. Das regelmäßige Krallenschneiden, was den Tieren nicht weh tut, wurde demonstriert. Außerdem wichtig seien viel Frischluftzufuhr und ein Käfigmindestmaß von einem Meter. Sonnenanbeter sind die Kaninchen nicht und hecheln bei hohen Temperaturen wie Hunde.

Die Kinder durften die verschiedenen Tiere ausgiebig streicheln, dabei gab es viele schöne und zufriedene Tiere zu sehen: Zwergkaninchen, mittelgroße Kaninchen und die Widderkaninchen mit den langen Schlappohren. Wer Fragen hat oder weitere Infos benötigt, wendet sich gern an die Kaninchenexperten vom „P29“: Kontakt: 06301/2354.  Tag der Offene Tür wird dort (Adresse: Am Erbsenberg 1) am 20. und 21. August sein.

 

 

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Weiterbildungsidee: Kirchenführer/in

Geschafft! Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben bestanden.
Geschafft! Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben bestanden.

Am 15. April 2016 freuten sich 13 zukünftige Kirchenführerinnen und – kirchenführer über das Ende ihrer Ausbildung beim Institut für kirchliche Fortbildung mit Sitz in Landau sowie bei der Evangelischen Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft in Kaiserslautern: Endlich halten sie, nach 120 Unterrichtsstunden, einer Hausarbeit und einem Kolloquium, ihr Zertifikat in Händen.

Unter den Teilnehmenden sind Stadtführer-/innen, Ehrenamtliche sowie GemeindepädagogInnen sowie Wein- und KulturbotschafterInnen. Nach dem Kolloquium überreichte beim feierlichen Gottesdienst Dr. Steffen Schramm, Leiter des Instituts für kirchliche Fortbildung, die Urkunde:  „Wir wollen die Kirchenräume den Menschen auf eine besondere Art zugänglich und damit lebendig machen. Etliche Teilnehmerinnen und  Teilnehmer haben beim Kolloquium berichtet, dass sie durch die Ausbildung gelernt haben, Kirchenräume nun auch geistlich zu erschließen, über  kunstgeschichtliche und historische Zugänge hinaus.“

v.l.n.r. Viktor Meyer ( Pfarrer i. R. Zweibrücken- Mitte), Martin Kaufmann (Presbyter der Kirchengemeinde Zweibrücken-Mitte), Dekan Peter Butz (Zweibrücken)
v.l.n.r. Viktor Meyer ( Pfarrer i. R. Zweibrücken- Mitte), Martin Kaufmann (Presbyter der Kirchengemeinde Zweibrücken-Mitte), Dekan Peter Butz (Zweibrücken)

Der gemeinsame Gottesdienst in der Kleinen Kirche in Kaiserslautern zeigte, wie flexibel die Gäste sind: Beim Ausfall des Stroms und somit der Orgel retteten die drei Herren im rechten Teil des Kirchenschiffs routiniert mit tonangebender Stimmgewalt das Lied „Wenn das Brot, das wir teilen, wie ein Rose blüht“ und alle Gäste sangen mit.

Krönender Abschluss für das Leitungsteam: Dr. Steffen Schramm, Birgit Weindl und Annekatrin Schwarz
Krönender Abschluss für das Leitungsteam: Dr. Steffen Schramm, Birgit Weindl und Annekatrin Schwarz

Die beiden Leiterinnen des Fortbildungsangebots erläuterten den modularen Aufbau des Angebots aus Seminaren, Studientagen und Exkursionen. „Architektur, Kunstgeschichte, Pädagogik, Rhetorik  und Theologie gehören zur Theorie, in der Praxis geht es vor allem darum, die eigene Begeisterung einzubringen und den Führungsteilnehmenden ein Stück davon zu vermitteln“, erklärt Birgit Weindl, Referentin am Institut für kirchliche Fortbildung. Annekatrin Schwarz, stellvertretende Leiterin der Evangelischen Arbeitsstelle, ergänzt: „Die vorgestellte Kirche mit anderen Augen entdecken und in sich selbst das pädagogische Geschick  - Das ist Ziel der Ausbildung. Und nach dem lohnenden Einsatz spüren wir an so einem Tag förmlich die Wirkung des heiligen Geistes.“

Frisch gebackene Kirchenführerinnen: Birgit Kaiser aus Essen und Birgit Becherer aus Lollar/Marburg
Frisch gebackene Kirchenführerinnen: Birgit Kaiser aus Essen und Birgit Becherer aus Lollar/Marburg

Für Birgit Kaiser aus Essen war die Ausbildung eine willkommene Ergänzung zu ihrer Gästeführerqualifikation. Ein gutes  Dutzend Mal kam sie für die Präsenzzeiten in die Pfalz, für die sie rund 300 km pro Strecke in Kauf nahm. Zwischen 1943 und 1958 entstanden in West- und Ostdeutschland insgesamt 43 evangelische Notkirchen,  davon sind 41 noch erhalten: Die Melanchthon-Kirche in Ludwigshafen hat sich Frau Kaiser ausgesucht, um dort  ihr erworbenes Wissen zu präsentieren: „In meinem Heimatort steht ebenfalls eine Notkirche; Kirchen haben mich schon immer fasziniert, da man in ihrem Innenraum so gut abschalten kann.  Das wollte ich auch mit anderen teilen, die Ausbildung hat mir alle theoretischen und praktischen Annäherungsmöglichkeiten eröffnet.“

Birgit Becherer wohnt in Lollar bei  Marburg und bereitete gleich vier Ansätze für ihre Abschlussprüfung  in der Elisabethenkirchen in Marburg vor: die biografische als auch die historische Kirchenführung,  die auf Glocken spezialisierte sowie eine Schatzsuche für Grundschulkinder. Und bei der Erzählung der eigens ausgedachten kindgerechten Inhalte, wie der Benennung eines Schatzmeisters oder dem Vorstellen der Schatztruhe, leuchten ihre Augen: „Die Ausbildung zur Kirchenführerin ergänzte meinen Alltag als OP-Schwester und mein derzeitiges Studium der Kunstgeschichte. Durch das erlernte Handwerkszeug, das Sammeln von Daten und Fakten, das Erfassen der Besonderheiten und das Entwickeln der zielgruppenspezifischen unterschiedlichen Führungen kann ich die Seele jeder Kirche herausfinden und zugleich  Hüterin der Schätze werden“

Wer den nächsten Kursstart nicht abwarten kann, ist herzlich eingeladen, am nächsten „Forum Kirchenpädagogik“ im September 2016 teilzunehmen. Hier treffen sich ausgebildete Kirchenführer und Interessentinnen, um ihr Wissen zu vertiefen und sich auszutauschen – zu diesem Termin unter dem Schwerpunktthema „Glocken“.
Auf unserer Detailseite erhalten Sie weitere Informationen zur Kirchenpädagogischen Ausbildung.

Frauen verdienen mehr! Erwerbsarbeit von Frauen unter der Lupe | Aktionstag des Arbeitskreises Frauen und Erwerbsarbeit Südwestpfalz in Pirmasens

Christine Gortner bei ihrem Vortrag zum Equal Pay Day
Christine Gortner bei ihrem Vortrag zum Equal Pay Day

Zum Aktionstag am 23. April 2016 zum Thema Entgeltgleichheit, in diesem Fall eher EntgeltUNgleichheit kamen über 40 interessierte Frauen und Männer in die Katholische Familienbildungsstätte in Pirmasens.

Initiiert wurde der Aktionstag von einem Arbeitskreis aus kommunalen Gleichstellungsstellen, Landfrauen, der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands, freien Bildungsträgern, der Evangelischen Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft sowie die Frauenarbeit im Prot. Dekanat Pirmasens.

In ihrem Impulsvortrag zeigte Christine Gortner, Referentin der Evangelischen Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft Kaiserslautern, sehr anschaulich auf, wie sehr das Arbeitsentgelt in vielen Bereichen davon abhängig ist, ob die Tätigkeit von einem Mann oder einer Frau ausgeführt wird. Zugleich machte sie deutlich, dass ohne entsprechende gesetzliche Regelungen nicht davon auszugehen ist, dass sich die Entgeltlücke schließen wird. Weder die berufliche Qualifikation oder die Art des Bildungsabschlusses noch die Verantwortung und körperliche Belastung werden gleich gewertet, sondern in vielen Berufsfeldern höher eingestuft, wenn Männer diese Tätigkeiten ausführen. Dass Männer selbst in frauentypischen Berufen mehr verdienen, belegte Christine Gortner anhand etlicher Beispiele:  Die derzeitige Entgeltlücke von 21 % entspricht umgerechnet 79 Tagen, die eine Frau jedes Jahr  umsonst  arbeitet. Und diese Lücke ist nur der Mittelwert aller vorhandenen Daten. So gibt es Arbeitsfelder, in denen Frauen kaum mehr als die Hälfte des Stundenlohns der Männer verdienen.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion mit drei Frauen aus der Praxis – der Leiterin einer Kindertagesstätte, der Stationsleiterin eines Krankenhauses und der Mitarbeiterin eines großen Supermarktes – wurden die Auswirkungen von „viel Dienst, wenig Verdienst“ erneut sehr deutlich. Hohe Verantwortung für Menschen und Güter, ungünstige und kontinuierlich erweiterte Arbeitszeiten oder körperliche Belastungen am Arbeitsplatz finden in den Gehältern nicht den entsprechenden Niederschlag. In vielen „Frauenberufen“ ermöglicht selbst eine Vollzeitstelle noch nicht einmal den eigenständigen – bescheidenen – Lebensunterhalt.

Beim Brunch zum Ausklang der Veranstaltung diskutierten die Teilnehmerinnen ihre Eindrücke aus den Vorträgen sowie aus ihrer persönlichen Berufserfahrung. Sowohl die Veranstalterinnen als auch die Besucherinnen blicken auf einen bereichernden Aktionstag zurück.

Verfasser:
Angelika Fallböhmer

Gleichstellungsbeauftragte der Stadtverwaltung Pirmasens

Interkulturrelles Seminar - Pfälzische und türkische Frauen begegneten sich am 2. Februar

Ute Dettweiler referierte über die Entwicklung des Modells "Familie"
Ute Dettweiler referierte über die Entwicklung des Modells "Familie"
Emine Sahin bewarb die Differenzierung von Tradition und Islam
Emine Sahin bewarb die Differenzierung von Tradition und Islam
Teilnehmerinnen und Referentinnen des ökumenischen interkulturellen Seminars
Teilnehmerinnen und Referentinnen des ökumenischen interkulturellen Seminars
Austausch auf Augenhöhe
Austausch auf Augenhöhe

Bewusste Entscheidung zum Kopftuch - Islam oder Tradition? Pfälzische und türkische Frauen begegnen sich interkulturell

Am 2. Februar trafen rund 19 pfälzische Teilnehmerinnen zum ganztägigen Seminar „Familien - Leben. Werte und Wandel“ in der Alten Eintracht in Kaiserslautern ein zum interkulturellen Austausch mit türkischen Frauen, die bereits länger in Deutschland leben. Die Evangelische Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft veranstaltet den ökumenischen Austausch in Kooperation mit dem Katholischen Deutschen Frauenbund Diözesanverband Speyer e.V. (KDFD) und dem LandFrauenverband Pfalz e.V. jährlich. Dieses Jahr zum ersten Mal interkulturell.

„Ich möchte mich einfach hineinversetzen können in die Erziehung anderer Kulturen.“

Schon in der Begrüßung brachte Petra Seitz, die Vorsitzende des LandFrauenverbandes Pfalz ihre persönlichen Berührungspunkte mit dem Thema zur Sprache. Die anschließende Vorstellungsrunde brachte unzählige Beweggründe der Teilnehmerinnen zutage - vorrangig wurde die Neugier am Kontakt zu anderen Kulturen genannt und der Wunsch, bestehende Vorurteile abzubauen und damit Fremdes in Vertrautes umzuwandeln.

„Die Familie als Keimzelle der Prägung sollte eine Basis für Rückhalt, Sicherheit, Orientierung und Wertschätzung sein.“

Die Schilderungen der deutschen Frauen über das eigene Familienverständnis zeigten viele Übereinstimmungen der früheren Großfamilie in der Pfalz mit heutigen islamischen Familien auf. Spannend waren die Erzählungen, wie sich die damals jung „eingeheirateten“ Frauen in der Großfamilie durchsetzen lernten und sich zu pflegenden, arbeitenden und zusammenhaltenden Müttern entwickelten, deren Kinder sich heutzutage zum Teil im Ausland befinden.

Ute Dettweiler von der Evangelischen Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft zeigte in ihrem Vortrag die Trends auf, wie sich Familie in der Gesellschaft verändert. Neben Geburtenzahlen, Scheidungsquoten und Haushaltsgröße erläuterte sie den Zusammenhang zwischen Familienform und Kinderarmut. Alleinerziehende und Menschen mit Migrationshintergrund sind überproportional von Armut betroffen. Gelingende Integration, gerade für Familien, durch Sprache, Bildung, Teilhabe und echte Begegnung ist der Schlüssel, damit sich Menschen in einer neuen Kultur einfinden können. „Wenn man sich in einem fremden Umfeld ausgegrenzt fühlt, glorifiziert man oft die Werte der Herkunftsgesellschaft - das sieht man auch bei deutschen Auswanderern. Erst wenn man sich neuen Kulturen öffnet, statt sich an alte zu klammern, gelingt Integration.“

Emine Sahin ist in der Pfalz aufgewachsene Muslimin und engagiert sich als Vorsitzende des Vereins Impuls Orchidee e.V. in Kaiserslautern für ein Netzwerk der kulturellen Vielfalt.

„Viele muslimische Familien, die sich auf die Tradition berufen, können gar nicht unterscheiden, ob diese dem Islam oder einer koranunabhängigen Tradition entspringt.“

In ihrem Vortrag betonte Emine Sahin mit Humor und Herzblut, wie wichtig die Unterscheidung von Islam und Tradition sei. Sie nannte schlechte Vorbilder für Traditionen wie Zwangsverheiratungen oder Ehrenmorde in meist bildungsfernen Familien und zeigte, teils augenzwinkernd, ebenso gute traditionelle Werte auf - den extra bitteren oder gesalzenen Mocca, den der Bräutigam als Test hinunterwürgt, um vor den zukünftigen Schwiegereltern zu bestehen. Oder das Wochenbett, in welchem sich die Wöchnerin von den Familienmitgliedern umsorgen lässt - solange sie möchte. Sie erklärte das Frauenbild im Koran, worin die Frau als „schwaches Geschlecht“ dem Mann körperlich unterlegen sei, aber laut Koran auf der gleichen Stufe stehe: „Die Frau ist im Koran die „Königin der Familie“ mit demselben Stellenwert und darf auch bei uns erwerbstätig sein, es ist ein System der Ergänzung. Bei der Eheschließung haben die potenziellen Ehepartner das letzte Wort.“ Sie beschreibt den ausgeprägten Zusammenhalt der Familie, aber auch den Wandel zur Kleinfamilie. „In der Familie fängt man an, Veränderungen zu leben.“ Ebenso wachse die Akzeptanz von homosexuellen Lebensgemeinschaften in der islamischen Kultur viel langsamer.

„29 Jahre lebte ich ohne Kopftuch, mit meiner Eheschließung vor acht Jahren entschied ich mich bewusst dafür. Nun ist es als Kleidungsstück so normal wie eine Jacke.“

Dass ihre Entscheidung für das traditionelle Kopftuch freiwillig und ihr Vater sogar dagegen war, erstaunte auch die anderen Teilnehmerinnen und es gab viele Fragen. „Auch Männer sollen bewusst den Blick gesenkt halten. Und laut Koran ist derjenige der beste Mann, der seine Frau am besten behandelt.“ erläuterte Emine Sahin.

Kulinarisch kamen die Teilnehmerinnen auf den kulturellen Geschmack, die Frauen des Vereins Impuls Orchidee servierten eine köstliche türkische Linsensuppe und Gemüsegratin.

Veranstaltungsorganisatorin Claudia Kettering hielt am Nachmittag ein Kurzreferat zu biblischen Lebensformen und stellte die 2013 veröffentlichte Orientierungshilfe des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland als Abschied vom Leitbild Ehe vor. „Das Modell der Ehe als Norm ist abgelöst durch die Vielfalt der Lebensgemeinschaften mit gegenseitiger Verantwortung und Fürsorge.“ Auch der neue Kurs von Papst Franziskus insbesondere gegenüber Schwulen und Lesben wurde kritisch gewürdigt und diskutiert.

In der Schlussandacht erinnerte Ulrike Groß (KDFD) an Abraham als Vater dreier Religionen.

Mit einem Segenslied und dem gegenseitigen Zusprechen des Friedensgrußes „Friede“, „Salam“ endete der Tag, an dem viele Frauen Parallelen im christlichen und islamischen Familiengefüge und dem Wandel von Ehe und Familie in beiden Kulturen erkannt hatten. Eine Teilnehmerin beschrieb ihre Vorurteile: „Ich gebe zu, dass ich vor der Veranstaltung eine negative Einstellung zu muslimischen Frauen hatte, dies hat sich durch diese Annäherung komplett geändert.“

Verfasser: Nadja Donauer

Weiterführende Links:

info@impulsorchidee.de

www.frauenbund-speyer.de

 

Herausforderung Mannsein in Mannheim am 31.01.2016

„Ich fordere euch heraus, euch den Vatersegen abzuholen.“ Mit diesem Satz eröffnete Martin Römer als Leiter des Kurses für die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich für die weitere Arbeit mit Männern stärken zu lassen. Von den 15 Aktiven nahmen die meisten diese einmalige Gelegenheit wahr und konnten erfahren, welche tiefen Erfahrungen an einem Männerwochenende möglich sind. Persönliche Erfahrungen, Spiritualität und die Herausforderung mit Männern zu arbeiten trafen aufeinander.

Zu der Fortbildung hatten die drei Landeskirchen in Baden, der Pfalz und in Württemberg eingeladen und der Zusammenschluss führte zu dem Erfolg. So kam eine Gruppe von interessierten Multiplikatoren zusammen, die den modularen Aufbau eines Männerangebotes kennenlernten.

Vom 27. bis 29. Januar 2017 findet ein weiterer Multiplikatorenkurs „Herausforderung Mannsein 2017“ statt, Anmeldung sowie eine Vielzahl an Angeboten speziell für Männer von Abenteuer-Wochenende bis Zeltfreizeit unter www.maennernetzpfalz.de.